Mangelernährung stellt insbesondere bei älteren Erwachsenen ein weit verbreitetes, unterschätztes, klinisch relevantes Gesundheitsproblem dar. Sie entsteht durch ein Missverhältnis zwischen Nährstoffaufnahme und -bedarf und führt zu Veränderungen der Körperzusammensetzung, funktionellen Einschränkungen sowie erhöhten Morbiditäts- und Mortalitätsraten. Epidemiologische Daten zeigen je nach Setting stark variierende Prävalenzen, die mithilfe validierter Screening-Instrumente wie z.B. dem Mini Nutritional Assessment (MNA) oder den GLIM-Kriterien erfasst werden. Besonders hoch ist das Risiko in Krankenhäusern, Pflegeeinrichtungen und bei chronisch erkrankten Patient:innen.
Die Diagnose erfordert ein systematisches Screening, da Mangelernährung sowohl akut als auch schleichend auftreten kann. Evidenzbasierte Leitlinien empfehlen ein strukturiertes Vorgehen aus individueller Ernährungsanpassung, ursachenorientierten Interventionen, unterstützenden Maßnahmen sowie gegebenenfalls dem Einsatz oraler, enteraler oder parenteraler Ernährung. Eine tägliche Energiezufuhr von etwa 30 kcal/kg Körpergewicht und mindestens 1 g Protein/kg Körpergewicht gelten als zentrale Zielgrößen, ergänzt durch die Sicherstellung der Versorgung mit essenziellen Nährstoffen.
Die größten Herausforderungen bestehen in der Wahrnehmung einer möglichen Mangelernährung bei älteren Erwachsenen. Ärzt:innen erhalten keine adäquate Ausbildung in Ernährung an medizinischen Fakultäten und sind sich größtenteils nicht bewusst wie wichtig es ist, ernährungsphysiologische Interventionen in die Behandlung der häufigsten chronischen Erkrankungen einzubeziehen. Folgen sind längere Krankheitsverläufe, längere Invalidität sowie eine verkürzte Lebensdauer.
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Literatur: Cruz-Jentoft A.J., Volkert D., Malnutrition in Older Adults, The New England Journal of Medicine 2025; 392: 2244-2255