Die neuen US-Ernährungsleitlinien 2025–2030 für Kinder und Jugendliche werden in einem aktuellen JAMA-Viewpoint aus pädiatrischer Sicht kritisch eingeordnet. Das Fazit der Autor:innen: Viele Empfehlungen sind wissenschaftlich gut begründet, einige Neuerungen werfen jedoch Fragen hinsichtlich ihrer Evidenz auf.
Positiv bewertet wird die stärkere Empfehlung für unverarbeitete bzw. minimal verarbeitete Lebensmittel sowie die deutlichere Begrenzung hochverarbeiteter Produkte, raffinierter Kohlenhydrate und zugesetzten Zuckers. Diese Empfehlungen entsprechen der aktuellen Evidenz, die einen Zusammenhang zwischen ultrahochverarbeiteten Lebensmitteln, Adipositas und kardiometabolischen Erkrankungen zeigt.
Deutlich kritischer sehen die Autor:innen die stärkere Betonung tierischer Proteinquellen wie z.B. rotes Fleisch und Vollfett-Milchprodukte. Da Kinder und Jugendliche in den USA bereits ausreichend Protein aufnehmen, fehle eine wissenschaftliche Grundlage für einen generellen Mehrbedarf. Gleichzeitig werden pflanzliche Proteinquellen mit ihren gesundheitlichen und ökologischen Vorteilen zu wenig berücksichtigt.
Auch die positivere Bewertung gesättigter Fettsäuren widerspreche der wissenschaftlichen Evidenz, wonach der Ersatz gesättigter durch ungesättigte Fettsäuren das kardiovaskuläre Risiko senken kann. Die Empfehlung, zugesetzten Zucker bis zum Alter von zehn Jahren vollständig zu vermeiden, wird ebenfalls differenziert betrachtet: Zwar sei eine Zuckerreduktion sinnvoll, für ein generelles Verbot bestehe jedoch nur eine begrenzte wissenschaftliche Grundlage.
Der Beitrag verdeutlicht, dass Ernährungsleitlinien auf einer konsistenten Evidenzbasis beruhen sollten. Widersprüchliche Botschaften könnten Eltern und Gesundheitsfachkräfte verunsichern und die Umsetzung gesunder Ernährungsgewohnheiten erschweren.
Literatur: M.T. Story, A.I. Patei, M. Elsner Lott, M.B. Schwartz A Pediatric Perspective on the 2025-2030 Dietary Guidelines, JAMA 2026; published online May 13 2026
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