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Hochverarbeitete Lebensmittel beeinflussen Verhalten von Kindern negativ

8 April 2026 | ÖAIE-Redaktion

Die frühe Kindheit ist eine kritische Phase für die emotionale und Verhaltensentwicklung, in der Auffälligkeiten wie internalisierende (z. B. Angst, sozialer Rückzug) und externalisierende Symptome (z. B. Aggression, Hyperaktivität) auftreten und als Frühindikatoren für spätere psychische Erkrankungen gelten. Zeitgleich haben sich Ernährungsgewohnheiten in westlichen Ländern stark verändert: Hochverarbeitete Lebensmittel (ultra-processed foods, UPF) machen bei kanadischen Vorschulkindern fast die Hälfte der täglichen Energieaufnahme aus. Diese Produkte zeichnen sich durch hohe Mengen an Zucker, gesättigten Fettsäuren und Salz bei geringer Nährstoffdichte aus. Während die metabolischen Folgen von UPF gut untersucht sind, gibt es nur begrenzte Evidenz zu deren Einfluss auf die Verhaltensentwicklung. Ziel einer neuen Studie aus Kanada war es, den Zusammenhang zwischen UPF-Konsum im Alter von drei Jahren und Verhaltensauffälligkeiten im Alter von fünf Jahren zu analysieren.

 

Hoher UPF-Konsum führt zu Verhaltensauffälligkeiten

 

Die Analyse basiert auf der prospektiven kanadischen Geburtskohorte „Canadian Healthy Infant Longitudinal Development“ (CHILD) mit 2.077 Kindern. Die Ernährung wurde mittels eines 112-Items umfassenden Food-Frequency-Fragebogens erfasst und nach NOVA-Kategorien eingeteilt; der UPF-Anteil wurde als Prozentsatz der täglichen Energieaufnahme berechnet. Verhaltens- und emotionale Auffälligkeiten (z.B. Angstzustände, Depression, Aggression, Hyperaktivität und Schlafprobleme) wurden mit der Elternversion der Child Behavioral Checklist (CBCL) erfasst. Multivariable lineare Regressionsmodelle untersuchten die mütterliche Ernährung, sozioökonomische Faktoren, Stilldauer, körperliche Aktivität und Body-Mass-Index. Zusätzlich wurde ein Substitutionsmodell angewandt, das den hypothetischen Ersatz von 10 % der Energie aus UPF durch minimal verarbeitete Lebensmittel untersuchte.

 

Im Mittel entfielen 45,5 % der Energieaufnahme auf UPF, hauptsächlich in Form von Süßwaren, Desserts, Brot- und Getreideprodukte sowie tierische Fertigprodukte. Eine Erhöhung des UPF-Anteils um 10 % war signifikant mit höheren CBCL-Scores verbunden: internalisierend +0,81, externalisierend +0,47 und Gesamt +0,64 Punkte. Sensitivitätsanalysen bestätigten diese Assoziationen. Das Substitutionsmodell zeigte, dass der Ersatz von 10 % der Energie aus UPF durch minimal verarbeitete Lebensmittel mit niedrigeren Verhaltensscores assoziiert war, insbesondere bei zuckerhaltigen bzw. künstlich gesüßten Getränken.

 

Die Ergebnisse deuten darauf hin, dass ein hoher Konsum von UPF im frühen Kindesalter mit ungünstiger Verhaltensentwicklung im Vorschulalter verknüpft ist. Trotz relativ kleiner Effektgrößen sind die Befunde epidemiologisch relevant. Eine frühzeitige Förderung einer Ernährung mit gering verarbeiteten Lebensmitteln könnte die emotionale und Verhaltensentwicklung positiv beeinflussen. Weitere Studien sind notwendig, um kausale Mechanismen und biologische Grundlagen zu klären.

 


Literatur:

Kavanagh ME., Chen ZH., Tamana SK. et al, Ultraprocessed Food Consumption and Behavioral Outcomes in Canadian Children, JAMA Network Open 2026; 9(3): e260434


 

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