Adipositas und Übergewicht im Kindesalter stellen weltweit eine der drängendsten Public-Health-Herausforderungen dar. In vielen Ländern steigen die Prävalenzen seit Jahren kontinuierlich an, was erhebliche medizinische, soziale und ökonomische Folgen nach sich zieht. Betroffene Kinder weisen bereits früh ein erhöhtes Risiko für körperliche und psychische Gesundheitsprobleme auf und haben eine deutlich höhere Wahrscheinlichkeit, auch im Erwachsenenalter adipös zu bleiben. Damit verfestigen sich Krankheitsverläufe, die langfristig zu chronischen Erkrankungen und erheblichen Belastungen für Gesundheitssysteme führen. Trotz dieser Relevanz fehlen in vielen Ländern umfassende gesundheitsökonomische Analysen, die die tatsächlichen Kosten kindlicher Gewichtsprobleme quantifizieren und damit eine fundierte Grundlage für politische und präventive Entscheidungen schaffen.
Eine aktuelle Studie aus dem JAMA untersucht erstmals die Gesundheitskosten, die in England durch ungesundes Körpergewicht bei Kindern im Alter von 2 bis 15 Jahren entstehen. Auf Grundlage verknüpfter Primär- und Sekundärversorgungsdaten aus den Jahren 2014–2020 wurden die jährlichen Gesundheitsausgaben ein Jahr vor und ein Jahr nach einer BMI-Messung analysiert. Insgesamt wurden Daten von über 268.000 Kindern unterschiedlicher ethnischer Herkunft ausgewertet.
Prävention im Kindesalter als wirtschaftliche Notwendigkeit
Die Ergebnisse zeigen, dass sowohl Untergewicht als auch Übergewicht und Adipositas mit deutlich erhöhten Gesundheitskosten verbunden sind. Adipöse Kinder verursachten durchschnittliche jährliche Mehrkosten von £ 190 (€ 218,-), untergewichtige Kinder von £ 164 (€ 188,-). Die Kosten variierten zudem nach Geschlecht, Alter und ethnischer Zugehörigkeit. Hochgerechnet auf die Gesamtbevölkerung ergeben sich jährliche Zusatzkosten von rund £ 0,27 Milliarden (€ 0,31 Milliarden) durch Übergewicht und Adipositas im Kindesalter.
Die Studie verdeutlicht die erhebliche ökonomische Belastung, die mit ungesundem Körpergewicht bei Kindern einhergeht, und liefert eine zentrale Grundlage für gesundheitsökonomische Bewertungen präventiver und therapeutischer Maßnahmen. Sie unterstreicht die Dringlichkeit wirksamer Interventionen, um langfristige gesundheitliche und wirtschaftliche Folgen zu reduzieren.
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Literatur:
Onyimadu O., Hayses A., Fahr P. et al, Child Body Mass Index and Health Care Costs in England, JAMA Network Open 2025: 8(10): e2537560