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Ernährung kritisch kranker Patient:innen: Weniger kann in der frühen Phase mehr sein

2 September 2026 | ÖAIE-Redaktion

Kritisch kranke Patient:innen befinden sich häufig in einer ausgeprägten Stoffwechselsituation, die durch Entzündung, Muskelabbau und eine veränderte Organfunktion geprägt ist. Dadurch verändern sich auch Nährstoffbedarf und Verträglichkeit einer Ernährungstherapie. Eine aktuelle Übersichtsarbeit untersucht, welche Ernährungsstrategie in dieser frühen Krankheitsphase sinnvoll ist, und wie viel Energie und Protein tatsächlich benötigt werden.

 

Die aktuelle Evidenz spricht dafür, bei funktionierendem Gastrointestinaltrakt möglichst früh mit einer enteralen Ernährung zu beginnen. Eine parenterale Ernährung kann eingesetzt werden, wenn eine enterale Ernährung nicht möglich oder kontraindiziert ist. Entscheidend ist dabei jedoch nicht, möglichst rasch den gesamten rechnerischen Energiebedarf zu decken.

 

Die richtige Dosis entscheidet

 

Mehrere große Studien zeigen, dass eine frühzeitige vollständige Kalorienzufuhr keinen eindeutigen klinischen Vorteil bietet. Auch eine sehr hohe Proteinzufuhr konnte die relevanten Behandlungsergebnisse nicht verbessern. Bei besonders schwer kranken Patient:innen kann eine zu aggressive Ernährung sogar mit gastrointestinalen und metabolischen Komplikationen verbunden sein.

 

Daher sollte die Ernährungstherapie individuell und an die jeweilige Krankheitsphase angepasst erfolgen. Eine schrittweise Steigerung, die Beachtung der gastrointestinalen Verträglichkeit sowie die Kontrolle relevanter Stoffwechselparameter sind wichtige Bestandteile der Behandlung. Besonders bei Patient:innen mit Kreislaufinstabilität, Organfunktionsstörungen oder erhöhtem Risiko für ein Refeeding-Syndrom ist eine vorsichtige Vorgehensweise erforderlich.

 

Insgesamt deutet die aktuelle Studienlage darauf hin, dass bei kritisch kranken Patient:innen nicht eine möglichst hohe Nährstoffzufuhr, sondern die richtige Dosis zum richtigen Zeitpunkt entscheidend ist. Mit zunehmender Stabilisierung sollte die Ernährung schrittweise an den individuellen Bedarf angepasst werden.

 


Literatur:
Patel JJ., McClave SA. Nutrition Therapy in Critically Ill Adults, The New England Journal of Medicine 2026; 395: 162-174


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